Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO1)
Definition: IDO1 ist das geschwindigkeitsbestimmende Enzym im Kynurenin-Stoffwechselweg und baut Tryptophan zu Kynurenin ab. Es wirkt als potenter immunsuppressiver Mediator und kann Immuntoleranz induzieren.
Pathomechanismus: IDO1 vermindert lokal verfügbares Tryptophan und produziert immunsuppressive Kynurenin-Metaboliten. Der Tryptophan-Mangel führt zu T-Zell-Anergie und Apoptose, während Kynurenine regulatorische T-Zellen (Tregs) fördern und Effektor-T-Zellen hemmen.
Wirkungsweise:
- Tryptophan-Depletion: Hemmung der T-Zell-Proliferation durch Aminosäure-Entzug
- Kynurenin-Produktion: Bildung immunsuppressiver Metaboliten
- Treg-Induktion: Förderung der Foxp3+-Treg-Differenzierung
- T-Zell-Anergie: Funktionelle Inaktivierung von Effektor-T-Zellen
- AhR-Aktivierung: Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor-vermittelte Immunsuppression
- Dendritische Zell-Tolerisierung: Unterstützung tolerogener DC-Funktionen
Therapeutische Anwendungen:
- Transplantation: Förderung von Allograft-Toleranz und Reduktion von Abstoßungsreaktionen
- Multiple Sklerose: Verringerung von Neuroinflammation und Myelin-Schädigung
- Typ-1-Diabetes: Hemmung der β-Zell-Autoimmunität
- Experimentelle Autoimmunenzephalomyelitis: Unterdrückung der EAE-Immunantwort
- Kollagen-induzierte Arthritis: Protektion vor entzündlicher Gelenkdestruktion
- Graft-versus-Host-Disease: Immuntoleranz nach Transplantation fördern
Klinische Relevanz: IDO1 ist ein natürlicher Toleranz-Mechanismus, unter anderem während der Schwangerschaft und beim Tumor-Immunescape. Eine therapeutische Aktivierung von IDO1 besitzt Potenzial für Autoimmunerkrankungen, kann jedoch das Risiko für Infektionen erhöhen.
